Recht & Verordnungen

Work and Chill - Das Urlaubsrecht im Überblick

06. März 2018

Einfach mal die Seele baumeln lassen und den Stress des Küchenalltags für kurze Zeit vergessen. Welcher Koch freut sich nicht auf seinen verdienten Jahresurlaub oder auf ein paar freie Tage? Doch wie viele stehen Küchenchefs eigentlich zu? Und was passiert, wenn man im Urlaub krank wird? Das Urlaubsrecht zusammengefasst.

Work and Chill

Neue Gerichte, andere Gäste, ein buntes Potpourri an Kollegen: Der Küchenalltag bringt jeden Tag neue Herausforderungen mit sich. Das macht die Arbeit so interessant, aber mitunter auch anstrengend. Irgendwann braucht daher jeder eine Auszeit. Zum Beispiel für Zeit mit der Familie, für Reisen oder Hobbys. Kurz: Urlaub ist wichtig, um die Batterien wieder aufzuladen. Das sieht auch der Gesetzgeber so und hat viele Fragen rund um den Urlaub im Bundesurlaubsgesetz (kurz: BurlG) klar geregelt. Zusätzlich dazu gibt es für jeden Job Einzelabsprachen. Diese sind in Betriebsvereinbarung, Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt.



So viele Urlaubstage stehen Ihnen mindestens zu

Im Außer-Haus-Markt gilt wie in allen Arbeitsbereichen der Bundesrepublik das BurlG. Darin hat der Gesetzgeber den Mindesturlaub bestimmt – und der steht jedem Arbeitnehmer zu:

  • Bei einer Arbeitszeit von sechs Tagen hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf 24 bezahlte Urlaubstage (Samstag = Werktag)
  • Bei fünf Werktagen 20 UrlaubstageUrlaubstage
  • Bei vier Werktagen 16 Urlaubstage
  • Bei drei Werktagen zwölf Urlaubstage
  • Bei zwei Werktagen acht Urlaubstage
  • Und bei einer Arbeitszeit von einem Werktag vier Urlaubstage


Win-win-Situation: Von Erholung profitieren alle

Bergsteigen in den Alpen, Kanutour in Thailand oder baden in der Ostsee – Geschmäcker sind verschieden, auch wenn es um den Urlaub geht. Egal wo es Arbeitnehmer hinzieht, eines bringt jeder Urlaub mit sich: gute Laune. Und davon profitieren auch Arbeitgeber. Denn nur ein gesunder und zufriedener Mitarbeiter steht gerne in der Küche, arbeitet konzentriert und liefert gute Ergebnisse. Urlaub ist also Win-win-Situation für beide Seiten. Doch wie heißt es so schön: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Daher gibt es für Neueinstellungen eine wichtige Sonderregelung. Ein neuer Koch im Betrieb muss sich den Urlaub gewissermaßen erst erarbeiten. Denn neueingestellte Mitarbeiter – ob Voll- oder Teilzeit – erwerben den vollen Urlaubsanspruch erst nach sechs Monaten. Ist das halbe Jahr geschafft, gilt für das gesamte Team das Gleiche. Zum Beispiel hat jeder die Möglichkeit, zwölf zusammenhängende Werktage Urlaub zu nehmen.

Die Ausnahme bestätigt die Regel - Sonderfälle Urlaubsrecht

Schwierig könnte es mit dem Urlaub werden, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Gerade Gastronomie und Hotellerie laufen zu dieser Zeit noch einmal auf Hochtouren. Da wird jeder Mitarbeiter gebraucht. In solchen Ausnahmesituationen – der Gesetzgeber spricht von dringenden betrieblichen Belangen – darf der Arbeitgeber daher Urlaubsanträge ablehnen. Neben saisonalen Hochphasen kann auch ein hoher Krankenstand dem ersehnten Urlaub einen Strich durch die Rechnung machen. Grundsätzlich besagt das BurlG aber: Urlaubsanträge sollten gewährt werden.

Ist der Antrag erst mal bewilligt, steht einem erholsamen Urlaub nichts mehr im Wege. Wäre da nicht dieses Kratzen im Hals, das am letzten Arbeitstag wie aus dem Nichts auftaucht. Kaum ist der erste Urlaubstag da, wird das Kratzen auch schon zur ausgewachsenen Erkältung. Dahin ist die Italienreise. Statt Liegestuhl am Strand, gibt es Bettruhe und Kamillentee. Zehn Urlaubstage für die Katz. Aber auch solche Fälle hat der Gesetzgeber klar geregelt. Wird ein Arbeitnehmer im Urlaub krank, werden ihm diese Tage „gutgeschrieben“. Es gehen ihm also keine Urlaubstage verloren. Vorausgesetzt er legt dem Arbeitgeber ungefragt ein ärztliches Attest vor und weist damit seine Krankheit offiziell nach.

Und das sollten Arbeitsnehmer vor dem Urlaub beachten

Die einen planen gerne lange im Voraus, andere sind lieber spontan. Und das kann sich bei günstigen Last-Minute-Angeboten auch finanziell richtig lohnen. Heute gebucht und morgen schon weg. Der Gesetzgeber jedenfalls legt Kurzentschlossenen keine Steine in den Weg. Denn laut Bundesurlaubsgesetz gibt es keine Fristen, bis wann der Urlaub einzureichen ist. Dennoch ist es sinnvoll, seine Urlaubsplanung möglichst frühzeitig mit dem Chef zu klären. Wer will schon seine Kollegen in stressigen Zeiten alleine am Herd stehen lassen?
Tipp für Spontanurlauber: Wer gerne kurzfristig Reisen plant, sollte erst einen genauen Blick in den Arbeitsvertrag werfen. Darin können nämlich Anmeldefristen festgelegt sein. Außerdem legen manche Verträge fest, bis wann der Jahresurlaub spätestens genommen werden muss. In der Regel immer im Kalenderjahr des Anspruchs. Wer diese Frist versäumt, verliert im Ernstfall Urlaubstage. Eine Ausnahme gilt, wenn betriebsbedingte oder persönliche Gründe vorliegen. Werden die Urlaubstage dann tatsächlich ins folgende Jahr übertragen, sind sie in den ersten drei Monaten zu nehmen.



Die drei größten Urlaubsmythen
 

Mythos 1Urlaubsmythos Nummer eins: Wer zuerst anmeldet hat Vorrang

 

Wer zuerst kommt, malt zuerst? Stimmt nicht. Der Arbeitgeber muss laut Gesetz abwägen, wer unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdient. Hat die eine Küchenhilfe zum Beispiel schulpflichtige Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, so ist ihr Vorrang beim Urlaubsantrag zu gewähren. Auch wenn sie den Urlaub erst später als die andere Küchenhilfe beantragt hat.

 


Mythos 2Urlaubsmythos Nummer zwei: Wer schon gebucht hat, bekommt Urlaub

 

Flug gebucht, bevor der Chef den Urlaub genehmigt hat? Das kann im Zweifelsfall „Pech gehabt“ bedeuten. Tritt man den Urlaub trotzdem auf eigene Faust an und lässt den Herd Herd sein, kann das im schlimmsten Fall die außerordentliche Kündigung bedeuten.

 

 

Mythos 3

Urlaubsmythos Nummer drei: Gewährter Urlaub darf gestrichen werden
 

Der Urlaub ist genehmigt und plötzlich merkt der Chef, dass er doch nicht auf den einen Mitarbeiter verzichten kann. In einem solchen Fall hat der Arbeitgeber das Nachsehen. Er kann zwar darum bitten, dass sein Mitarbeiter Urlaub zu einer anderen Zeit nimmt, verlangen darf er es aber nicht.

 



Jetzt kann's mit der Erholung losgehen
 

Hat der Urlaub begonnen, kann es endlich losgehen – mit der Entspannung. Die ist nämlich gewissermaßen Pflicht. Sagt zumindest der Gesetzgeber. Bezahlte Arbeit ist jedenfalls während der Urlaubstage nicht gestattet. In §8 untersagt das BurlG: eine „dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit“. Gemeint ist jede selbständige und nichtselbständige Tätigkeit, für die es Gegenleistungen in Geld oder Sachwerten gibt. Wenn ein Küchenchef in seinem Urlaub also beispielsweise auf einer Veranstaltung gegen Bezahlung kocht, kann er laut Gesetz in Schwierigkeiten geraten. Für die Familie, Freunde und Nachbarn darf der Kochlöffel aber selbstverständlich geschwungen werden. Wenn er das im Urlaub denn möchte.
Nestlé Professional wünscht einen genussvollen und erholsamen Urlaub.