Ernährungswissen
Spezielle Ernährung

Ayurvedische Ernährung

11. Januar 2022

Ayurveda ist eine über 5.000 Jahre alte Gesundheitslehre mit der Ernährung als Schlüsselfaktor für ein langes und beschwerdefreies Leben. Grundlage ist die traditionsreiche indische Philosophie. Diese besagt, dass Mahlzeiten nicht nur dazu dienen, den Körper mit Energie zu versorgen, sondern bei einer geschickten Zusammenstellung einzelner Zutaten auch der Entstehung von Krankheiten aktiv vorbeugen.  

Ayurvedische Ernährung

Doshas ElementenUnter dem Begriff Ayurveda versteht man also das Wissen des Lebens und die Lehre von Gesundheit aber auch von Krankheit. Grundsätzlich ist die Erhaltung der Gesundheit das Ziel im Ayurveda. Somit gibt es jede Menge Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit, wobei diese auch zur Prävention von Krankheiten eingesetzt werden. Der wichtigste Punkt ist dabei die Achtsamkeit gegenüber sich selbst und seiner Umwelt.

Ayurveda eignet sich hervorragend als präventives Instrument und als Grundlage für einen gesunden Lebensstil. Hierbei ist die Anpassung der Ernährung und der Lebensweise an einen der drei Konstitutionstypen, auch Doshas genannt, erforderlich: Vata, Pitta und Kapha. Doshas sind Bioenergien, diese sind in jedem Organismus vorhanden und beeinflussen ihn. Außerdem sind sie den fünf Elementen Feuer, Wasser, Luft, Erde und Raum zugeordnet.

Vata setzt sich aus Luft und Raum zusammen und gilt als Lebensenergie. Pitta beinhaltet Luft und Raum und ist für biochemische Vorgänge im Körper, wie Verdauung und Stoffwechsel, verantwortlich. Das letzte Dosha, Kapha, setzt sich aus Wasser und Erde zusammen und ist für Wachstum und Gelenkigkeit verantwortlich.

Ayurvedische Ernährung Grafik


Sechs GeschmacksrichtungenJeder Mensch wird, je nach Ausprägung verschiedener Merkmale, einem dieser drei Dosha-Typen zugeordnet und sollte sich dementsprechend ernähren, um so Körper und Seele im Gleichgewicht zu halten und dadurch Krankheiten zu verhindern. Weiterhin sollte im Ayurveda jede Mahlzeit alle sechs Geschmacksrichtungen, sprich süß, sauer, salzig, bitter, herb und scharf, enthalten. Außerdem sollten tierische Eiweiße wie Milch, Eier, Fleisch und Fisch nicht miteinander kombiniert werden.


Aber was genau ist in der ayurvedischen Küche so besonders?

Bei der Ayurvedischen Ernährung spielt die Verdauung eine zentrale Rolle. So sollten grundsätzlich fast alle Speisen gekocht und somit rohes Gemüse vermieden werden. Süßes ist schwer verdaulich und sollte vor der Hauptmahlzeit verzehrt werden. Weiterhin werden warme Speisen bevorzugt, es gibt wenig Alkohol, Fleisch und Säuren. Außerdem legt die ayurvedische Küche großen Wert auf eine gute Qualität der Nahrung, da frische Lebensmittel förderlich für die Verdauung sind.

Mahlzeiten werden nach Ayurveda gemeinsam mit anderen Menschen, in angenehmer Atmosphäre und in Ruhe eingenommen und sollten mit Liebe zubereitet werden. Es werden keine Snacks zwischen den Mahlzeiten eingenommen, denn es sollten mindestens 4 Stunden vergehen, außerdem fördert leichte Kost am Abend die Verdauung.indisches Essen in ayurvedischen Küche

Eine besondere Rolle nehmen in der ayurvedischen Küche die Kräuter und Gewürze ein. Laut der indischen Heilkunst sind Gewürzpflanzen gleichzeitig göttliche Nahrung. So dienen frische Kräuter und Gewürze gleichzeitig als Heilpflanzen. Sie machen gesund und bringen Heilung, denn sie stärken das Immunystem und unterstützen die Verdauung. Außerdem wirken Heilpflanzen nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Seele des Menschen. Diese spirituelle Wirkung der Heilpflanzen wird immer berücksichtigt. Die wichtigsten Gewürze sind hierbei unter anderem Nelken, Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Muskat, Pfeffer, Safran und Zimt.

Auch in der westlichen Ernährung werden Gewürze vielfältig aufgrund ihrer gesundheitsförderlichen Wirkung eingesetzt. Diese werden den bioaktiven Substanzen, den sogenannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, zugeschrieben. In Pflanzen dienen sie unter anderem dem Schutz vor Fressfeinden wie Insekten, Bakterien, Pilzen und Viren. Gleiches bewirken sie auch im Körper des Menschen: Bioaktive Substanzen stärken das körpereigene Abwehrsystem, haben krebsvorbeugende und immunstärkende Wirkungen.


Ayurvedisch kochen_GewürzeAyurvedisch kochen bedeutet also, dass wir Lebensmittel so kombinieren, dass unser Körper die Nährstoffe optimal verwerten kann, unser Geschmack in all seinen Facetten beglückt wird, wir Lebensmittel essen, die unserem Typ oder auch der Jahreszeit entsprechen und wir die Speisen leicht verdauen können. 

Auch sollte immer folgender Grundsatz beachtet werden: Gleiches verstärkt Gleiches, Gegensätze heben sich auf. Auf diesem Prinzip basiert die praktische, alltagstaugliche ayurvedische Küche. 


Ernährungswissenschaftliche Sicht

Die hier vorgenommene, vereinfachte Darstellung, kann nur einen groben Einblick in die Jahrtausende alte Denkweise des Ayurveda geben. Vertieft man sich in die Hintergründe, sind viele Aussagen aus heutiger, westlicher und naturwissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Ernährungslehre existieren bislang nicht.

Die Ernährung besteht aus viel Gemüse, Obst, Kräutern, Getreide, Hülsenfrüchten und Milchprodukten. Auf Fleisch und Wurstwaren wird weitestgehend verzichtet. Ziel der Küche sind leichte Mahlzeiten, die gut verdaut werden. Die Verdauung spielt eine zentrale Rolle in der Ernährung.

Ayurveda-Anhänger gehen davon aus, dass eine gute Verdauung Voraussetzung für eine gute Gesundheit ist. Dabei wird die Verdauung durch scharfe und bittere Pflanzen und Gewürze unterstützt, auch Ansätze zum heute aktuellen Dinner-Cancelling findet man. Es wird empfohlen, hin und wieder abends nicht zu essen oder spätestens um 18 Uhr die letzte Mahlzeit zu sich zu nehmen.

Die ayurvedische Ernährungsweise ist somit im Prinzip positiv zu bewerten, da sie eine frische, fettarme, abwechslungsreiche und vorwiegend lactovegetabile Kost empfiehlt. Der küchentechnische (Zeit)aufwand ist jedoch beträchtlich.